Ein ehrlicher Erfahrungsbericht über den ersten Mammutmarsch. Von der Vorbereitung über mentale Tiefpunkte bis zum emotionalen Zieleinlauf nach 55 Kilometern.
Die Idee entstand eigentlich völlig spontan. Ich hatte schon länger Lust auf eine größere Herausforderung und war immer wieder über Berichte von langen Märschen gestolpert. 30 Kilometer wandern kannte ich bereits. Auch längere Tagestouren waren kein Problem mehr. Aber 55 Kilometer am Stück wirkten trotzdem wie etwas völlig anderes.
Genau das hat mich gereizt.
Der Gedanke, einen kompletten Tag fast nur zu laufen, klang gleichzeitig absurd und faszinierend. Also meldete ich mich an. Erst danach wurde mir langsam klar, worauf ich mich da eingelassen hatte.
Viele unterschätzen lange Märsche. Ich übrigens auch.
Am Anfang dachte ich, ein bisschen wandern am Wochenende würde reichen. Nach den ersten längeren Trainingsrunden war klar, dass vor allem die Dauer das eigentliche Problem ist. Nicht die Geschwindigkeit.
Nach 35 Kilometern tun plötzlich Dinge weh, über die man vorher nie nachgedacht hat. Schultern. Fußsohlen. Hüfte. Selbst die Hände fühlen sich irgendwann seltsam an.
Ich begann deshalb regelmäßig längere Touren zu machen. Mal 20 Kilometer. Mal 30. Einmal knapp über 40 Kilometer. Dabei lernte ich vor allem drei Dinge:
Besonders hilfreich war für mich das Testen der Ausrüstung unter realen Bedingungen. Viele erfahrene Teilnehmer empfehlen genau das auch in Wanderforen.
Am Veranstaltungstag war die Stimmung überraschend locker. Überall standen Menschen mit Stirnlampen, Wanderschuhen und Thermobechern herum. Manche wirkten extrem erfahren. Andere sahen so nervös aus wie ich.
Kurz vor dem Start mischten sich Vorfreude und Zweifel. Ein Teil von mir dachte: „Das wird richtig gut." Der andere Teil fragte sich, warum man freiwillig einen halben Tag durch die Gegend läuft.
Die ersten Kilometer waren fast zu einfach. Die Beine waren frisch. Die Gespräche mit anderen Teilnehmern lenkten ab. Man läuft automatisch schneller, als man eigentlich sollte.
Genau darin liegt eine Falle.
Die ersten 25 bis 30 Kilometer fühlten sich fast wie eine lange Wanderung an. Danach änderte sich die Stimmung schlagartig.
Die Gespräche wurden weniger. Viele liefen plötzlich schweigend vor sich hin. An den Verpflegungspunkten saßen Menschen auf dem Boden und starrten einfach nur ins Leere.
Bei mir kamen zuerst die Füße. Danach die Schultern. Irgendwann tat einfach alles weh.
Interessant war aber vor allem die mentale Seite. Körperlich hätte ich wahrscheinlich noch weiterlaufen können. Im Kopf wurde es schwieriger.
Man beginnt plötzlich zu rechnen:
Genau diese mentale Belastung beschreiben viele Teilnehmer später als größte Herausforderung. Auch andere Erfahrungsberichte sprechen davon, dass lange Märsche weniger ein Geschwindigkeitsproblem als ein Kopfproblem sind.
Die letzten zehn Kilometer waren gleichzeitig die schlimmsten und die besten.
Der Körper wollte eigentlich aufhören. Aber plötzlich wusste man auch: Jetzt wird man es schaffen.
Jeder Kilometer fühlte sich ewig an. Trotzdem entstand irgendwann dieses seltsame Gefühl aus Stolz, Erschöpfung und völliger Leere.
Als das Ziel schließlich auftauchte, war das überraschend emotional. Menschen klatschten. Einige Teilnehmer lagen völlig erschöpft auf dem Boden. Andere umarmten sich einfach nur.
Ich glaube, genau deshalb melden sich so viele nach ihrem ersten Mammutmarsch direkt wieder an.
Nicht wegen der Medaille.
Sondern wegen dieses Gefühls, etwas geschafft zu haben, das vorher unmöglich klang.
Außerdem würde ich danach definitiv kein Auto mehr fahren. Viele Teilnehmer berichten, dass selbst die Heimreise nach einem langen Marsch extrem anstrengend sein kann.
Wahrscheinlich ja.
Während des Marsches schwört man sich zwar mehrfach, so etwas nie wieder zu machen. Ein paar Tage später denkt man plötzlich über die nächste Strecke nach.
Genau das macht diese Events irgendwie besonders.
Ein Mammutmarsch ist keine normale Wanderung mehr. Es ist eher ein langer Test für Kopf, Beine und Motivation.
Und genau deshalb bleibt das Erlebnis so lange im Kopf.
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