Mein erster 50-km-Marsch: Ein ehrlicher Erfahrungsbericht
Erfahrungsberichte 22. September 2024

Mein erster 50-km-Marsch: Ein ehrlicher Erfahrungsbericht

50 Kilometer in einem Tag: Was sich nach einem Abenteuer anhört, wird irgendwo zwischen Kilometer 35 und 40 zur echten Charakterprüfung. Ein ehrlicher Bericht über Höhen, Tiefen und das unbeschreibliche Gefühl im Ziel.

Mein erster 50-km-Marsch: Ein ehrlicher Erfahrungsbericht

Es war 5:30 Uhr morgens, als ich an der Startlinie stand. Die Luft noch kühl, der Kaffee im Bauch, die Schuhe frisch geschnürt. 50 Kilometer lagen vor mir. Ich hatte trainiert, ich hatte geplant, ich hatte mir das oft vorgestellt. Was ich nicht hatte: eine Ahnung davon, was zwischen Kilometer 30 und dem Ziel wirklich passieren würde.

Der Start: Alles fühlt sich leicht an

Die ersten 15 Kilometer sind bei langen Märschen fast immer die gefährlichsten, und zwar nicht wegen des Terrains, sondern wegen der eigenen Energie. Man fühlt sich gut, das Tempo fällt leicht, und die Versuchung ist groß, zu schnell zu gehen. Ich hatte mir vorgenommen, die ersten 20 Kilometer deutlich langsamer anzugehen als ich es könnte. Das war die klügste Entscheidung des Tages.

Kilometer 20 bis 35: Die Mitte hält

Nach dem ersten Verpflegungspunkt bei Kilometer 18 setzte ich mich kurz hin, wechselte die Socken und aß eine Banane mit Nüssen. Ein kleines Ritual, das mir meine Trainingspartnerin empfohlen hatte. Tatsächlich half allein das Hinsetzen und die kurze Pause enorm. Die nächsten 15 Kilometer liefen sich überraschend gut. Leichte Hügel, Waldwege, angenehme Stimmung unter den Mitgehenden.

Der Einbruch: Kilometer 38

Dann kam er. Der Moment, vor dem alle warnen und den du dir vorher trotzdem nicht wirklich vorstellen kannst. Bei Kilometer 38 wurden meine Beine schwer wie Blei. Die Waden begannen zu ziehen, die rechte Hüfte meldete sich, und der Kopf fing an, Argumente zu produzieren, warum das Aufhören auch eine respektable Entscheidung wäre.

Was mich rettete: die Verpflegungsstation bei Kilometer 40, ein Becher Brühe und die Entscheidung, das restliche Stück in ganz kleinen Etappen zu denken. Nicht mehr „noch 12 Kilometer", sondern „erst mal bis zur nächsten Baumgruppe".

Das Ziel

Kilometer 50. Es gibt kein Wort, das dieses Gefühl genau trifft. Erschöpfung und Stolz in einer Mischung, die so im Alltag nicht vorkommt. Ich habe in der Abendstimmung noch mindestens zwanzig Minuten auf einer Bank gesessen, bevor ich überhaupt aufgestanden bin.

Was ich beim nächsten Mal anders mache

  • Noch konsequenter Pausen alle 10 Kilometer planen, auch wenn man sich gut fühlt
  • Mehr salzige Verpflegung mitnehmen, nicht nur Süßes
  • Stöcke von Anfang an nutzen und nicht erst bei Kilometer 30 aus dem Rucksack holen
  • Den Socken-Wechsel bei Kilometer 25 früher einplanen